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Jugendleiter heben ab

Paragleiten als Belohnung fürs Ehrenamt

15 Betreuer des Kreisjugendrings Berchtesgadener Land heben am Übungshang der Flugschule Chiemsee ab

Acht Uhr, Landratsamt Bad Reichenhall. Der Kreisjugendring-Bus steht zur Abfahrt bereit. Doch diesmal scharten sich nicht Kinder um den Bus, sondern ausschließlich Betreuer. Eine ungewohnte Situation, denn diesmal waren es nicht sie, die etwas für andere organisierten, sondern es wurde etwas für sie organisiert: Ein Paragleit-Schnupperkurs in der Flugschule Chiemsee.

?Es ist eine Belohnung für das jahrelange ehrenamtliche Engagement dieser jungen Leute?, sagt der zweifache Gewinner der Juniorenwertung im Gleitschirm-Streckenfliegen Tobias Schreiner, der diesen Tag organisiert hat. Er ist selbst erfahrener Betreuer beim Kreisjugendring BGL und gleichzeitig Mitarbeiter der DHV-Jugend. ?Was liegt da näher, als beides zusammenzubringen??, fragt er. Und weiter: ?Thomas Beyhl, Leiter der Flugschule Chiemsee, war sofort begeistert von meiner Idee und hat uns einen Super-Preis gemacht. Doch erst durch die Unterstützung der Sparkasse BGL und des Vorstandes des Kreisjugendrings konnten wir diesen Schnuppertag für die Betreuer realisieren.?

Am Übungsplatz angekommen pfiff den 15 Jugendleitern der Wind nur so um die Ohren. ?Zuviel Wind?, winkte Fluglehrer Stefan Metzenroth ab und schaute skeptisch in die Runde. ?Und wir sollen da nur mit einem Stofffetzen und ein paar Leinen dran fliegen??, meinte einer der Betreuer. Doch davor war Theorie angesagt. Was ist die Eintrittskante, wieso hab ich so viele bunte Leinen in der Hand, etc., etc. Nach dieser Einführung vom Fluglehrer standen Trockenübungen auf der Wiese hinter dem Übungsplatz auf dem Plan. Und dann ging das Gepurzel los. Die Jugendleiter legten das Gurtzeug an, das wie ein Klettergurt mit verstärktem Rückenschutz aussieht, und mit Karabinern an den Tragegurten des Schirms befestigt wird. ?Mensch, tu doch mal deinen Fetzen da weg! Achtung, aus dem Weeeeeg!!? Da war das Geschrei von 15 Betreuern lauter als das von 50 Kindern. Aber immerhin gelang es einigen den Schirm sauber aufzuziehen und ein paar Meter damit zu laufen.

So vorbereitet nahmen die Betreuer den Übungshang im Beschlag, sobald der Wind etwas nachgelassen hatte. ?Das sind jetzt ideale Bedingungen für einen Anfänger-Kurs!?, freute sich Stefan. Genau prüften er und sein Assistent Rolf Wagner ob die Schirme richtig ausgelegt sind und kein Knoten in den Leinen und das Gurtzeug richtig angelegt war. Und dann hieß es ?Lauf, lauf, lauf!? Und Julia nahm das besonders ernst. Als erste zog sie vorbildlich den Schirm auf, kein leisestes Ausbrechen nach links oder rechts. Und dann lief sie den Hang hinunter. Und lief, und lief und lief. ?Ja, wo will die den hin mit dem Schirm??, fragten sich die anderen, als sie schon fast bei den Autos war. Die Freude, dass der Schirm so schön über ihr war, wollte sie anscheinend möglichst lange genießen. Die Freude, dass sie den ganzen Hang mit Schirm und Gurtzeug wieder hoch musste, war dafür umso kleiner. Lerneffekt: Je weiter ich runter renne, desto weiter keuche ich rauf.

Doch schon nach einigen Versuchen war das Kommando ?Lauf!? fast überflüssig. Als der erste ein paar Meter abhob, schürte das den Ehrgeiz der bisher am Boden gebliebenen. Das war Zeit für ein Zwischen-Briefing von Fluglehrer Stefan. ?Der Hang ist thermisch?, warnte er und bestimmte eine Linie, oberhalb der keiner starten sollte. Dann zeigte er seinen Schäfchen, dass man den Schirm nach dem Aufziehen anbremsen muss. Und weil manche gefährlich nahe am Wald entlang gelaufen waren, demonstrierte Stefan einen Startabbruch.

Und dann wurde wieder gelaufen, geflogen und geschleppt, was nur ging. Doch irgendwann ließ die Kraft nach. Gottseidank lag Brotzeit und Trinken am Waldrand bereit. Und dann tauchten die ersten Wehwehchen auf. ?Schau mal meine blauen Arme an!? ?Und meine erst!? Wie die Kinder gaben die Betreuer mit ihren ?Sportwunden? an und verglichen, wer sich am meisten ins Gurtzeug gehängt hatte. ?Ihr wart eine super Gruppe?, lobte der Fluglehrer. ?Jeder von euch ist geflogen. Und außerdem hatten wir wirklich schon mehr Chaos bei einem Schnuppertag?, fügte er grinsend hinzu. Eine der Teilnehmerinnen war sogar so begeistert, dass sie sich gleich für einen Kompaktkurs bis zum A-Schein anmeldete.

Der Flugschulen-Tradition entsprechend belohnten sich dann alle talentierten Piloten oder Bruchpiloten in der Eisdiele in Aschau. ?Ich spür jetzt noch immer, wie sich das abheben anfühlt?, meinte Katrin. Und das wird sie vermutlich auch so schnell nicht mehr vergessen?

Andrea Rexer

 

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