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DHV-Jugend Sicherheitstraining am Idrosee (20-22.07.09)

 

Da die letzten Jahre das Wetter der DHV-Jugend oft üble Streiche
gespielt hat, war auch diesmal keiner verwundert, als das
Sicherheitstraining vom Achensee kurzfristig an den 290 km südlich
gelegenen Idrosee verlegt wurde.
Der Grund dafür war durch die Wettervorhersage angekündigter starker
Wind und Regen. Der nur wenige Kilometer vom Gardasee gelegene Idrosee
hatte bessere Wetterprognosen bekommen und erwies sich rückblickend auch
als die richtige Entscheidung.

Die darauf folgende Anreise der Gruppe wurde teilweise mit dem eigenen
Autos getätigt. Ich hatte das Vergnügen, unter musikalischer Begleitung
von Bill Young, mit dem Flugschulbus der Gleitschirmschule Achensee dem
Süden entgegen zu fahren.
Ein Blick in den Laderaum des Busses ähnelte eher einer Perkussion Band
auf Tour als einer Flugschule. Die Masse der mitgenommenen Instrumente
der Fluglehrer übertraf fast die der Packsäcke. Erst der zweite Blick
unter das Autodach ließ erkennen, dass die dort befestigte Baumwurzel in
Wirklichkeit ein stilistisch veredeltes Didgeridoo war.
Diese Wurzel haben Ecki und Cordula, die Fluglehrer, zur musikalischen
Unterhaltung auch mitgenommen.
Nach dem Aufbauen der Schlafgelegenheit und dem Zurechfinden vor Ort
wurde der Anreisetag bis in die Nacht hinein in der am Campingplatz
gelegenen Pizzeria ausgeklungen.

Der erste Trainingstag begann früh um sieben Uhr. Über die Nacht sind
auch die letzten Teilnehmer an der richtigen Seite des Sees
eingetroffen.
Wir sammelten uns gemeinsam vor dem Besprechungszelt und erhielten
unsere Funkgeräte und Schwimmwesten. Auch die Einweisung über die
Funktion der Rettungsweste und das Verhalten im Falle der Wasserrettung
wurde gleichzeitig durchgespielt.
Nach dem das Flugniveau jedes einzelnen ermittelt wurde, ging es
gemeinsam hinauf zum 30 min entfernten Startplatz. Die Auffahrt bot
frühmorgens eine traumhafte Sicht auf die Berge und den inmitten
gelegenen Idrosee.
Je näher wir dem Startplatz kamen, umso höher war die Anspannung dem
ersten Trainingsflug gegenüber. Kurze Zeit später ging es dann los und
wir konnten unseren Einstufungsflug mit knapp 600 Meter Arbeitshöhe
überm See absolvieren.
Der über Mittag immer stärker werdende Talwind verschaffte uns später
Zeit zum entspannen und die ersten Flugeindrücke des Sicherheitstainings
zu verarbeiten.
Die am Nachmittag gehaltene Videoanalyse der Flüge verstärkte Ecki
eindrucksvoll mit heftigem Einsatz seiner Hände und Füße. Dabei viel
nicht nur mir auf, dass eigene Flugmanöver unter dem Schirm sich meist
spektakulärer anfühlen als später auf dem Video zu sehen ist.
Abends ging es dann zum letzten Mal an diesem Tag rauf. Den anfangs zu
starken Wind für die Übungen nutzten viele aus der Gruppe zum Soaren vor
dem Startplatz. Später flog man den Positionspunkt über dem Rettungsboot
an, um die finale Übung an diesem Tag zu vollenden.
Die Anstrengung des Tages und das vollste Engagement aller zeigte sich
schnell durch das frühe Schlafengehen jedes einzelnen.

Der darauf folgende Tag zeigte schnell, dass die Flüge zuvor nur eine
Aufwärmung waren. Einer starken Inversion verdankend schafften wir
bereits bis zum Mittag drei Auffahrten und die damit verbundenen Flüge
zu absolvieren. Das nun stark gestiegene Niveau der Flieger und die
Komplexität deren Übungen waren beeindruckend.
Die Palette reichte von Negativdrehungen und den verbundenen
Auspendelungen, bis hin zu Fullstalls und dem Berühren der Kappe. Das
letztere sollte natürlich ein missglücktes und falsch getimtes Ausleiten
verdeutlichen und war später sehr lehrreich bei der Videoanalyse.
Doch am meisten zeigte die DHV-Jugend diesen Vormittag die Vorliebe für
Spiralen. Es wurde gedreht und gekurbelt bis hin zu 15 m/s. Versuche
diesen Wert zu überhöhen wurden pflichtbewusst von Ecki per Funk
eingebremst.
Logischerweise ergab sich auch, dass je mehr ein Pilot in seinem
Grenzbereich geflogen ist, desto lauter und bestimmender waren die
Anweisungen des Fluglehrers. Er steuerte per Funk die Handlungsbedarf
des einzelnen beispielsweise mit den Worten: "Hände hoch!", "Bremse
lösen!"; "Nichts machen…!". Das letztere galt natürlich nur den Schirmen
der Kategorie 1-2 und drunter, den diese haben meist die erstaunliche
Eigenschaft sich innerhalb kürzester Zeit selbst zu stabilisieren.
Die Videoanalyse am Nachmittag half wieder die eigenen und die
Flugmanöver anderen zu analysieren und aus den gemachten Fehlern zu
lernen.
Der durch starken Wind unfliegbar gemachte Nachmittag wurde zum
spitzenmäßigen Groundhandling an der Nachbarswiese genutzt. Mehrere
Stunden spielte die DHV-Jugend mit ihren Schirmen im Wind. Teilweise
drehte sich das Blatt auch und starke Böen spielten mit der Jugend.
Hierbei wurden auch sofort die Tricks aus "Eckis und Cordulas
Trickkiste" fürs Groundhandling angewandt.
Das spätere gemeinsame Grillen schweißte die Gruppe näher zusammen.
Dabei wurden das Werfen der Rettung und die damit verbundene
Wasserlandung am nächsten Tag neu überdacht.

Der dritte und letzte Tag des Sicherheitstrainings begann früh um sechs
Uhr. Erstaunlicherweise standen trotz Partynacht fast alle pünktlich am
Flugschulbus, bereit für die letzten Flüge.
Routiniert wurden die zwei Flüge absolviert bevor der immer stärker
werdende Südwind die Abschlussanalyse einläutete. Hier sah man lehrreich
noch mal die geplante aber unsanfte Wasserlandung von Dirk. Doch selbst
die war auch für die anderen informativ, denn die eingenommene
Scherenstellung beim Aufprall wurde durch das Nichteinziehen des
Gleitschirms verursacht.

Mit der Erfahrung von teilweise bis zu 8 Flügen und dem nun sichereren
Verhalten in Grenzsituationen wurden die zwölf der DHV-Jugend gegen
Nachmittag entlassen.

Abschließend möchte ich mich im Namen der DHV-Jugend bei der Flugschule
Achensee bedanken. Trotz des kurzfristigen Standortwechsels hat alles
reibungslos und professionell funktioniert und wir konnten innerhalb
weniger Tage einen enormen Sicherheitsgewinn im Umgang mit dem
Gleitschirm verbuchen.
Ich hoffe solch eine Veranstaltung von der DHV-Jugend wird auch im
nächsten Jahr wieder stattfinden und kann selbst nur empfehlen dabei
mitzumachen.

 

Text: Jürgen


Bilder: Eki Maute FS Achensee