Kursfahrt FMSG Speyer 2017

Am 18. Juni machte sich der höchst motivierte, abenteuerlustige Trupp, bestehend aus 18 Schülern und zwei Begleitern, auf den Weg, um den Mythen des Fliegens auf den Grund zu gehen. Herr Leckebusch als Verbreiter unzähliger Geschichten über das „ In den Lüften schweben“ entschloss sich, jene Auserwählten nach Kirchzarten bei Freiburg, zu den Ursprüngen des Fliegens zu führen. Das geheimnisvolle „Wittental“ sollte ihnen Antworten liefern…

Dank der stets zuverlässig unpünktlichen Deutschen Bahn erreichten wir am späten Nachmittag mit ca. zwei Stunden Verspätung den Bahnhof in Kirchzarten, wo es zum ersten Aufeinandertreffen mit dem Mann kommen sollte, der uns die kommende Woche begleiten würde: Thomas, der Fluglehrer.

Mit dem Flugschulbus fuhr er uns samt Gepäck zum Zeltplatz in Oberried. Dass jener Bus Fahrten bergen sollte, die von Reggae – Musik, ohrenbetäubendem Gesang, schwitzenden und erschöpften Schülern, Diskussionen über Effizienz und Effektivität, Spaß und Freude geprägt sein würden, konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht ansatzweise erahnen.

Dort angekommen wurden die Zelte mehr oder weniger erfolgreich aufgebaut und die Küche begutachtet. Ebenfalls wurde die naturbelassene Umgebung erforscht und das Volleyballfeld eingeweiht. Nach dem ersten gemeinsamen Abendessen wurden einige auch schon vor die erste große Herausforderung gestellt: das eigene Geschirr selbstständig abwaschen und aufräumen. Doch Gott sei Dank verzagten unsere treuen Kumpanen nicht und meisterten diese schweißtreibende Herausforderung, wenn auch mit tatkräftiger Unterstützung.

So neigte sich nun der erste aufregende Tag dem Ende zu. Mit dem Wissen, am morgigen Tag vielleicht näher an Antworten zu gelangen, begaben wir uns in unsere Schlafgemache.

Auf eine kühle erste Nacht folgte das gemeinsame Frühstück, das Morgenmuffel und Morgenmenschen offenbarte. Während die einen schon fröhlich erzählend und mehr als gut gelaunt frühstückten, krochen die anderen verschlafen aus den Zelten, in der Hoffnung einen lebensspendenden Kaffee und Ruhe zu erlangen.

Anschließend holte uns Thomas ab, um das Gurtzeug, das kurzerhand in Gürtelzeug umgetauft wurde, und Schirme zu holen.

Wegen der vielen Mitfahrer brauchten wir zwei Busse und dem Auto von Herrn Leckebusch, um zum Hang zu kommen.

Dort ging es auch schon voll bepackt auf halbe Höhe und direkt los: 5 Punkte Check und starten! „Impuls geben, anbremsen und rennen! Schneller, schneller!“ Und so konnten auch schon die ein oder anderen bei ihrem allerersten Versuch wenige Zentimeter über dem Boden schweben.

Doch ganz so leicht ließen wir uns nicht überzeugen, wir wollten schon „richtig“ fliegen! Ehrgeiz packte uns und so rannten wir förmlich samt Gürtelzeug und Schirm den Hügel hinauf, um bereits kurz nach unseren ersten Flugversuchen von weiter oben zu starten. Dank Thomas‘ Anleitung konnten schon am ersten Tag die Ersten „richtig“ fliegen! Der kurze aber sehr einprägsame erste Flug ließ niemanden mehr zweifeln, der Mythos, dass fliegen möglich ist, stimmt!

Erschöpft, verwundet, stinkend, aber mehr als glücklich hörten wir uns die abschließenden Worte des Tages von Thomas und Ramon, unserem zweiten Fluglehrer und neuer Chef der Flugschule Dreyeckland in Kirchzarten, an, bevor wir uns in die Autos begaben.

In einer ruhigen, von Raggae und herben Düften geprägten Fahrt ging es zurück zu Zeltplatz und Dusche.

Kaum am Zeltplatz angekommen begannen nun auch schon die Rangeleien um die einzige Dusche, die sich die 16 Knaben teilen mussten. Ohne Scheu vor Blutvergießen wurde die Rangordnung jeden Abend aufs Neue festgelegt. Wichtig wäre hierbei zu erwähnen, dass die 6 Damen ebenfalls eine Dusche teilten, aber weitaus weniger beharrlich um deren Nutzung kämpfen mussten.

Nachdem Kochen und Essen erfolgreich erledigt wurden, ließen wir die Abende mit Lagerfeuer, Gesprächen, Karten- und Volleyballspielen ausklingen. Geigen- und Gitarrenspiel trugen ihren Teil ebenfalls dazu bei, jene Abende unvergesslich in die Erinnerungen zu zeichnen.

Und so sollten die nächsten Tage ebenfalls mit Frühstück um 6 beginnen, damit anschießend der Abholservice pünktlich um 7 zum Hang starten konnte. Die Fahrten im Bus entwickelten und optimierten sich und gaben nicht mehr nur Raum für verschwitzte Schüler sondern auch für neue Musikrichtungen außer Reggea, Diskurse über Effizienz und Effektivität, Plaudereien und kostbare Gesangseinlagen, die eigentlich eher ohrenbetäubend als genüsslich waren.

Der Hang selber war geprägt von Lauten der Freude, angestrengtem Keuchen, Britney Spears Gesang und wilden Rufen, die den Piloten eigentlich zu besseren Starterfolgen verhelfen sollten:„Renn‘ schneller, da kommt ein Wildschwein!“. Wind, Bäume und Kuhfladen stellten scheinbar unüberwindbare Hindernisse für die Landung dar, die letztlich dazu führten, dass Schirme in Bäumen und Gesichter haarscharf neben Kuhfladen landeten.

So folgte Tag auf Tag, die Flugkünste wurden optimiert, neue Starttechniken, sowie Landemöglichkeiten wurden erfunden (die selbst Thomas faszinierten!) und Beinmuskeln wurden durch das ständige Hinauflaufen samt Gurtzeug und Schirm ausgiebig trainiert.

Dank des hervorragenden Wetters war es uns möglich fast jeden Morgen und Abend zu fliegen, mittags dagegen nutzten wir die Zeit, um Freiburg oder das Schwimmbad zu besuchen (für einige schien das Schwimmbad die eigentliche Attraktion dieser Studienfahrt geworden zu sein…), Einkäufe zu erledigen oder einfach am Zeltplatz auszuruhen und sich mit Schach oder Kartenspielen zu vergnügen. Außerdem fuhren wir noch auf den Berg Schauinsland, Herr Leckebusch ließ Laura in seinem Auto dort hin fahren- eine Fahrt, die für alle Beteiligten von Adrenalin und unzähligen „Huuuii“s geprägt war (das Auto ist heil geblieben).

Während Herr Leckebusch nun auch selber einmal fliegen wollte, bekamen fünf glückliche Schüler einen Tandemflug am Kandel in 1 241 Metern Höhe geschenkt. Bis auf einen, der sich während des Fluges das Essen nochmal durch den Kopf gehen ließ, wurde die Flüge von allen heil überstanden.

Da wir am Zeltplatz so gut wie kein Netz hatten, waren wir mehr oder weniger zu Gemeinschaftsaktivitäten gezwungen. Man war ja fast schon überrascht, was für lustige und ideenreiche Menschen wir waren, so ohne Handy… Gelegentlich sah man dann auch mal einen Haufen kaputter Schüler auf der Wiese dösen, Darius Minibomben aus Phosphor und Kaliumchlorat bauen (so etwas darf bei einer guten Zeltausrüstung nun einmal nicht fehlen), Fritz in Unterhose über den Zeltplatz rennen und Schüler, die erfolgreich im Bach versenkt wurden.

Nachdem wir alle nun auch Flüge aus über 100 Höhenmeter geschafft und den Theorieunterricht erfolgreich abgesessen hatten, legten wir eine schriftliche Prüfung zum Erwerb des L-Scheins ab. Diese höchst anspruchsvolle Prüfung über die Grundlagen des Wetters, Flugrechts, Gerätekunde und Aerodynamik wurde in Gruppenarbeit mit Hilfe des Fluglehrers erfolgreich gelöst, wobei selbst er bei den Formulierungen einiger Fragen an seine Grenzen stieß…

Und so neigte sich die kostbare und schöne Zeit dem Ende zu. Unsere Forscher schafften es, dem Mythos auf den Grund zu gehen, fliegen zu lernen und sich in sozialem Verhalten zu üben. Am letzten Abend grillten wir gemeinsam, erinnerten uns an die vergangenen Tage und saßen anschließend noch ein letztes Mal gemeinsam am Lagerfeuer.

Nach dem Frühstück am folgenden Tag fuhren wir auch schon wieder nach Speyer. Die einen mit heller Vorfreude auf das warme Bett, die anderen mit Schwermut an die schöne Zeit denkend, die nun vorbei sein sollte.

Man hätte noch so viel mehr erzählen können, aber das Schönste ist und bleibt nun einmal eine Menge Erinnerungen, die wir alle aus dieser großartigen Woche mitgenommen haben.